Archive for Januar 2008

 
 

Nüvifone – wie nätt. Darauf warte ich also die ganze Zeit. Schön zu wissen.

Da kommt doch tatsächlich eine frische Brise auf, im Markt für kleine akkuausgestattete Mitnehmgeräte an der Antenne. Die Styles des iTelefons aus Amerika haben offensichtlich manchen Hersteller aus der Reserve gelockt, so wie weiland der japanische Wandersmann mit den Bandkassetten. Doch daß es gar keine Telefongerätefirma ist, die das “next-hottest-thing in telco” bringen wird, hätte keiner vermutet. Naheligend ist es aber, das ist sonnenklar.

Nüvifone heißt das Teil und es sieht klasse aus. Und es kann KINTT: Kontakte, Internet (mit UMTS), Navigation, Telefon und Termine – voila, ein großer Schritt hin zur eierlegenden Wollmichsau. Bauen wird es Garmin, jene Firma, die das GPS quasi von Anfang an mitgemacht hat. Und natürlich ist es kein Wunder, daß diese Company ihre große Kompetenz als Basis für die zu bewältigende Herausforderung genommen hat. Noch sieht man nichts außer gephotoshoppten Hochglanz-Pressefotos (http://www8.garmin.com/buzz/nuvifone/media_gallery.jsp) und genaue Daten müssen zudem abgewartet werden. Aber die Ankündigung Q3/2008 läßt zumindest hoffen, daß ein Weinhachts-Gadget 2008 gebucht ist.

Nun kann man vielleicht beginnen, 1 und 1 zusammenzuzählen und aus der angekündigten Zusammenarbeit mit Google (siehe Screenshot) spekulieren, nämlich darauf, daß dies eines der ersten Android-Geräte sein könnte. Wundern würde es mich wirklich nicht.

Gerne würde ich die Pressebilder verlinken, aber ich habe noch keine Erlaubnis.

Oft sind es die einfachen Systeme, die brilliant und überzeugend sind.

Google hat in seinem Blog die Gewinner im “Innovate or Die Pedal-Powered Machine Contest” präsentiert. Mal abgesehen von der Frage, ob das Klima mit dem Sieger-System nun Google-wunschgemäß gerettet wird oder nicht, die Frage sauberen Wassers ist für eine Millarde Menschen täglich die einzige, und die überlebenswichtige ist sie obendrein.

Wenn man nun ein Fahrrad nimmt, zwei Tanks draufschraubt, eine Pumpe und ein Filtersystem dazu und die Zeit fürs Wasserholen zusätzlich zum Reinigen verwenden lässt, dann bekommt man “Aquaduct”. Gut auch, daß die Schlepperei aufhört.

Jetzt braucht es nur noch ein community-basiertes Finanzierungssystem, damit solche Räder auch angeschafft werden. Ideal wären die Kleinkreditbanken wie Socremo, die in Afrika erfolgreich Fuß fassen (Entwicklungshilfeministerium). So bekommen die Frauen in den Familien, die in ihnen die wirtschaftliche Basis bilden, eine Chance, gewerblich tätig zu werden. Eine Genossenschaft nimmt einen Kredit auf, kauft ein Aquaduct-Fahrrad und verdient mit dem Verkauf transportierten und gereinigten Wassers Geld.

Wer beteiligt sich?

Strom kommt. Immer. Immer?

Wolfgang Clement ist nun die Persona non grata in der SPD, ein böser Lobbyist. Er hat gewagt, zu sagen, was nicht wenige in der SPD denken: Atomausstieg UND Kohleausstieg – beides gleichzeitig geht nicht.

Daß er einen Schritt weiter gegangen ist und daraus eine Wahlempfehlung (aus SPD-Sicht eine Nichtwahlempfehlung) gemacht hat – so schreibt Cornelia Schmergel in der Wiwo 5/2008 – werde ihm als Bärendienst in der Sache ausgelegt. Eine Diskussion dieser Frage sei in der SPD nun gänzlich vom Tisch, am Atomausstieg gäbe es nun sicher kein Rütteln mehr, berichtet sie aus der Fraktion.

Wie schnell diese Diskussion zu den Fakten zurückkehrt, werden wir sehen. Wahrscheinlich schneller, als wir uns jeh vorstellen konnten. Dazu braucht es keine CDU-Wahlkampfstrategie, dazu braucht es nur einen Stromausfall.

Und der ist schon da.

In Südafrika.

Dort wird ab sofort der Strom rationiert (!). Die drei größten Goldproduzenten sowie der größte Platinproduzent des Landes haben am Freitag (25.1.08) wegen der andauernden Stromausfälle die Produktion in sämtlichen Minen stillgelegt, für uns sichtbar am sofort explodierten Goldpreis. Mehr als 7000 Feinunzen Gold pro Tag fehlen jetzt dem Weltmarkt, Grund genug für wildeste Spekulationen.

Und warum das ganze? Südafrika hat es seit 1994 versäumt, die Energieerzeugung zu planen berichtet die FAZ (22/2008). Schlimmer noch, Warnungen der nationalen Energieversorgung an die Regierung sollen ignoriert worden sein. Jetzt ist der Schaden da. Die Wirtschaft wächst, alle freuen sich über den Boom am Kap, nur die Leistungsfähigkeit der Kraftwerke kann nicht mehr gesteigert werden. Und schlimmer noch: selbst wenn Südafrika sofort die nötige Abhilfe durch Neubau in die Wege leiten würde, neue Kapazitäten stünden erst Mitte des nächsten Jahrzehnts zur Verfügung, auf die Dauer von 5-8 Jahren werden immer wiederkehrende Ausfälle prognostiziert. Was das für die südafrikanische Volkswirtschaft im internationalen Wettbewerb bedeutet, sollte selbst dem Laien klar sein.

Sollte sich diese Geschichte bei uns rumsprechen, diskutieren wir ebenfalls ganz schnell wieder den Atomausstieg. Beim kompletten Abschalten der Kernkraftwerke brauchen wir 36.000 Megawatt (Wiwo 5/2008) von woanders her. Pure Illusion, daß die aus Windkraft oder Solarenergie entstehen können.

Sonntag – Einkaufstag

Soeben in den Nachrichten: “Der Einzelhandelsverband ist mit dem Verlauf des Winterschlußverkaufs nicht zufrieden…”

Ich persönlich glaube ja, daß wir vom Einzelhandelsverband per se überhaupt keine anderen Meldungen hören, als die über seine Unzufriedenheit – systemimmanent bedingt (Klappern gehört zum Handwerk). Aber selbst wenn wir alle zusammen als große Konsumgemeinschaft über unseren Verhältnissen in die Läden strömten, wäre vermutlich der bereits eingetretene Effekt durch die Abwanderung von Käufen ins Internet nicht mehr abzuwenden.

Nun ist es ja nicht so, daß man es sich bloß bequem machen würde, wenn man von zu Hause aus bestellt, anstatt in den Laden zu gehen. Sicher, angesichts verregneter und kalter Tage ist dieses Verhalten nahezu zwingend. Und natürlich gibt es Waren des täglichen Bedarfs, die man blind bestellen kann. Aber gerade die Saisonartikel, über deren zähflüssigen Absatz heute geklagt wird, sollte man tatsächlich im Laden kaufen. Es erspart das Rücksenden.

Dennoch sehe ich triftige Vorteile, für den Kauf aus der realen in die virtuelle Welt zu wechseln. Und so sind es für mich insbesondere die Kulturgüter, für die ich meine Kaufentscheidung nahezu ausschließlich über das Internet treffe (inklusive einer Konzertplanung im Auslandsurlaub – eine sehr schöne Erfahrung). Und ich bewerte das als naheliegend.
Gerade sind mir Beethovens Klavierkonzerte untergekommen. Stöbern im Tamino-Klassikforum hat mir sehr schnell ein Bild über die Einspielungen von Format gegeben und ich konnte bei den namhaften Versendern direkt die Verfügbarkeiten sehen. In meiner unmittelbaren Umgebung gibt es keinen Laden mit klassischer Musik, heute ist zudem Sonntag, geöffnet wäre er ohnehin nicht. Und so sind als Resultat gerade Bestellungen von knapp unter 100 Euro (da ist noch eine erkleckliche Menge Jazz dabei) per https rausgegangen. Ich kann keinen Grund sehen, warum diese Entwicklung gestoppt werden sollte/könnte.

Übrigens, für Bücher weiche ich in eine Variante aus: Recherche im Netz, Bestellung aber bei meinem kleinen und sympatischen Buchladen um die Ecke. Zum Zuge kommt hierbei, daß ich dort nette und engagierte Leute kenne, die zudem intellektuell inspirierten Service bieten. Ich fände es schade, wenn die mangels Umsatzgelegenheit ihren Beruf nicht mehr ausüben könnten.
Sonntag ist mein Einkaufstag.

Wikipedia Tageslink? – WordPress-Plugin gesucht

Gibt es ein WordPress-Plugin, das automatisch täglich neu einen vom Tagesdatum abhängigen Link zur Tagesseite der Wikipedia baut?

Sucht-Musik

In der Kindheit Objekt hessischer Schulexperimente der 70er gewesen zu sein, hat vielfach bedeutet, die Schule zwar mit umfangreichem Wissen über Sexualität und Gesellschaft, aber auch in hinreichender Ignoranz von Kunst und Musik verlassen zu haben. Konnte das Elternhaus diese Katastrophe nicht auffangen, blieben Cranach und Corinth oder Bach und Bartók nur ärmliche Ahnungen.

Wer sich als solcher Nicht-Musiker nun im Verlauf der Jahre die Mühe macht, ein wenig in der symphonischen Musik zu stöbern, wird über kurz oder lang entdecken, ja geradezu müssen, daß Musik ein vielfaches Mehr ist, als es der – dem modernen Kommerz geschuldete – akustische Lärm ist, der aus Formatradios wie Playern gleichermaßen herausquillt.

Leonard Bernstein hat in jener Zeit in den USA unschätzbar wertvolle Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche durchgeführt, in denen er ihnen einen Zugang zur Musik vermittelte. Eine seiner Thesen lautete, daß Musik nicht über etwas handelt, handeln muß, sondern eben auch “bloß” unmittelbarer Lieferant für Empfindungen ist und damit Stimmungen auslösen oder konterkarieren kann.

Ein grandioser Komponist solcher Musik ist für mich Samuel Barber (Wikipedia). Wer sein Adagio für Streicher (Op. 11) hört oder seinem Violin-Konzert Op. 14 folgt, der kann verstehen, wie es demjenigen gehen muß, der den unfassbaren Tod eines nahestehenden Menschen beklagt. Und man ahnt, daß es nicht unbedingt einer selbstzerstörerischen Veranlagung zur Melancholie bedarf, um Musik die Kraft mentaler Beeinflussung zusprechen zu können.

Musik. Eine angenehme Sucht.

[Update]

Klaus Heitmann beschreibt, warum das Adagio exzeptionell ist.