Mönsch Balin, wat murksen se Dia an de Klamotten rum.
Unter Fußballfreunden in Deutschland gibt es ja nur einen einzigen validen Berlin-Spruch: “Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin”. Und so schlüssig er ist, wenn es um Pokalträume geht, fürs internationale Marketing wirds mit dieser Sangeszeile schwierig. Natürlich sollen die Touristen nach Berlin fahren, keine Frage. Aber würden gerade sie diesen deutschen Satz als unmissverständliche Aufforderung verstehen?
Jeder kennt das magische Zweizeiler-Quadrat New Yorks, jenes mit den Drei Buchstaben und dem Herzen mittendrin: “I love New York”. Als Laie und als Mitglied der touristischen Zielgruppe bin ich damals wie heute begeistert – von der Aussage selbst wie auch von der Schlüssigkeit des Entwurfs. Das war und ist ein finales Statement, gemacht für die Ewigkeit.
Natürlich hat die Berliner Lokalpolitik den Drang befallen, es den großen Weltstädten nachzutun. Wer zu den internationalen Metropolen mit Weltgeltung aufschließen will, der muß dem Ding einen Namen geben, der muß ein unverwechselbares Branding schaffen. Da werden viele typisch deutsche Diskussionen geführt, Hauptstadt-Zeitungen rufen ihre Leser zum künstlerischen Brainstorming auf, geheime Findungskommissionen der städtischen Tourismusarbeiter werden eingerichtet, professionelle Agenturen verpflichtet und schon wenige 18 Jahre nach der Wiederentdeckung Berlins wird ein Slogan geboren. Heureka.
“be Berlin” soll er heißen.
Nein, nicht Bi-Berlin.
Auch nicht Bei-Berlin.
Angeblich. Alles noch inoffiziell, aber schon in den Zeitungen. Und in der Abendschau. Und in den Blogs bei Alfons, im Fontblog, im Hauptstadtblog und hier. Und hier auch bereits politisch kommentiert.
Nun, noch wissen wir nichts über Motive, Hintergründe, Zielgruppen oder auch Einsatzgebiete. Und die Bildmarke dazu ist natürlich auch noch nicht da. Um so besser, denn dann stellt sich der Claim der Öffentlichkeit so, wie er in Tokyo, Los Angeles oder Shanghai wirken soll – ohne jegliche mitgelieferte Interpretationshilfe. Und da bietet er für mich ad hoc einen Anknüpfungspunkt.
Bekundete nicht weiland der hoffnungsvolle junge amerikanische Präsident “Ich bin ein Berliner”? Diese Geste der Solidarisierung in schwerer Zeit, einem typischen amerikanischen Habitus entsprungen, schwingt in vielen Berlinern – zumindest im Westen – bis heute nach. Ja, sich nach Ernst Reuters glühendem Aufruf an die Völker “Schaut auf diese Stadt!” als Berliner fühlen zu dürfen, das war im Kalten Krieg moralische Verpflichtung. Wer für das freie Berlin war, war Berliner. Was für eine Zeit. Was für eine Identifikationsbasis.
Heute steht Berlin bei den jüngeren Besuchern international für Aufbruch, Mode, für Kreativität ganz allgemein. Ältere suchen nicht selten die Reste der Mauer. Das ist zuwenig. Nicht nur Tagestouristen aus Polen und Sachsen sollen es sein, nein, ganz explizit will man Be-Berliner aus Indien und anderen aufstrebenden Globalisierungsgewinnern locken (siehe 8 MByte Tourismuskonzept des Senates). Da braucht es einfach einen “Attraktor”. Helene vom Hauptstadtblog spielt den Ball volley: “Woher überhaupt diese dumme Sitte kommt, dass jeder Gemeinderat seinen eigenen Schlachtruf aus dem Muppet-Labor braucht, ist mir ein Rätsel. Stets doppeldeutig, gern denglish mit der einzigen Einzigartigkeit wuchernd.” 1:0
Im Deutschen hieße der Imperativ offiziell übersetzt “Sei Berlin!” – so wirds jedenfalls verlautet. Mich schüttelts, schon wegen der Spreche. Aber, kann man wirklich Stadt sein? Und wenn man Stadt sein kann, dann diese auch? Der Zander, ein ernsthaft engagierter Berliner, hat ja gesungen: “Immer wenn ich bei Dir bin, zieht es mich woanders hin, doch ich brauch Dich um so mehr, wenn ich Dir den Rücken kehr”. Und er hat vom “Fühlen” Berlins gesprochen. Trifft es das nicht viel besser? “Feel Berlin!” Ich fühl da ‘ne Menge in meiner Stadt. Aber wahrscheinlich wäre dieser Spruch nun wirklich nicht originell genug um für seine Verwendung und Verbreitung 10 Millionen auszugeben.
Ich habe ja seinerzeit eigene Vorschläge einreichen wollen. Angesichts der Bedeutungsschwere des Vorhabens und der illustren Schar der professionellen Mitmacher habe ich aber schnell eingesehen, daß das mit mir als Laien nix werden würde. Und so habe ich die kleine Arbeit den Tiefen meiner Festplatte anvertraut und zwar dem Bereich, über den kein Backup gemacht wird. Gottesurteil.
Ich bin Berliner, nicht Berlin. Und deswegen kontere ich nun doch mal mit meinem, dem Gottesurteil noch nicht anheim gefallenen Gegenentwurf:

Denn, soville ick mekkan möchte, ick liebe det Dorf doch ooch.