So ein Aufstieg auf einen Gipfel ist eine Leistung. Eine große Leistung zumal dann, wenn er so exponiert und so hoch ist, wie Afrikas höchster. Zunächst eine lange Anreise, dann komplizierte Startvorbereitungen. Unten noch flacher, oben steiler. Unten noch warm, oben eiskalt. Wichtigste Voraussetzungen: Wille, Leidensfähigkeit, Geduld, Ausdauer, Kraft, Mut, Optimismus und eine unbändige Vorfreude auf das Ziel. Was diesen Berg von anderen Massiven unterscheidet ist seine exponierte Stellung, sein großer Kontrast und seine Vielfältigkeit in den Herausforderungen.
So mancher Gründer scheint mir einen solchen Weg zum Kilimandscharo zu gehen. Und genauso unterschiedlich, wie es die Herausforderungen sind, sind es auch die gewählten Ansätze.
Da gibt es Steiger, die generalstabsmäßig vorbereiten, sich zunächst in anderen Herausforderungen warmlaufen und dann mit klarem Kopf zügig losstarten. Sie haben alles dabei und wissen schon, um wieviel Uhr übermorgen sie ankommen.
Dann gibt es solche, die garnicht so genau wissen, ob sie da rauf wollen, aber schon mal hinfahren und losgehen. Sie stolpern ein wenig, kaufen in der Zone zwischen warm und kalt noch eine Wärmejacke, machen kurz unter dem ersten Schneefeld einen Konzeptwechsel, stellen einen Pixi-Fotoautomaten auf und verkaufen Erinnerungsfotos.
Mancher weiß schon, daß der Kilimandscharo eine tolle Sache ist. Und eine Herausforderung dazu. Deswegen sucht er sich Mitmacher, die eine ähnliche Idee von Route und Leistung haben. Dann läuft man gemeinsam los. Einen Teil des Weges fahren sie sogar mit dem Jeep eines Einheimischen. Solange es geht übernachten sie in Häusern anstatt im eigenen Zelt. Weiter oben bauen sie dann ein Basiscamp auf, akklimatisieren sich, probieren diese und jene Route aus, fragen den absteigenden Finishern Löcher in den Bauch und beschließen dann 500 Höhenmeter weiter das Camp neu aufzuschlagen. Nach ein paar Wochen erklären Ihnen die anderen, daß es nur noch Meter sind, die sie von der Fahne trennen. Darauf kündigen die Frischlinge einen Launch-Event an und organisieren eine Final-Run-Up-Party mit LiveBlogging von der Fahne. Alle sind glücklich und keiner will wieder nach Hause.
Die Deutschen Startups suchen jetzt den wichtigsten Webgründer. Ich fand das zunächst nur eine lustige Idee, denn mir war unklar, wie man “wichtig” in einem solchen Umfeld definiert. Um im Berg-Bild zu bleiben: Wer ist da wichtig? Der Bergsteiger? Oder sind das nicht eher die Supporter? Oder vielleicht die Vernetzer?
Jedenfalls wurde ich so neugierig auf die Vorauswahl und die Kriterien, daß ich den Finger gehoben habe. Das habe ich jetzt davon, ich bin dazu ausgewählt worden, als Teil der 10er-Leserjury sozusagen am Kilimandscharo zu hausen und zu beobachten, wer da wie hoch und wieder runter kommt.
Gut, ich habe Freiheiten. Als Nichtmitglied der Fachjury kann ich wohl auch sehr subjektive Entscheidungsparameter zugrundelegen. Businessplan? Funding? Plansollerfüllung? Break-Even? Internationalisation? Awards? Braucht mich nicht zu interessieren. Möglicherweise.
Aaaber: Dann kam heute nacht die Liste. 78 Damen und Herren. Und ein schon recht breiter Kriterienkatalog.
Wow, doch eine ordentliche Aufgabe, vor allem, wenn man die Sache ernst nehmen will. Und ich will das. “Rein subjektiv” hilft dann garnichts. Wie macht man denn das jetzt?
Dreiviertel der Benannten ist mir – ich sags frei heraus – völlg unbekannt. Keine Biographien, keine Ahnung von ihren Startups, keine von ihren Vernetzungen, keine Einordnung ihres Handelns durch Dritte. Um aber eine den Kriterien gerecht werdende Beurteilung treffen zu können, braucht es diese Infos.
Google ist mein Freund denke ich und schicke mal diesen, mal jenen Namen in die Suche. Die Treffer sind zwar spannend, werfen aber ständig neue Fragen auf.
Ich sollte nicht einfach loslaufen und hoffen, daß ich weiter oben noch eine Wärmejacke kaufen kann.
Jetzt habe ich erstmal mein Calc geöffnet und eine Matrix angelegt. Nachher sehe ich weiter.