Arroganz gesäht, Zorn geerntet

Wilfried Ruß hat in seinem 1stplan-Blog gerade die im Manager-Magazin beschriebenen Verwerfungen rund um die Bahn-Tickets bei Ebay kommentiert.

Grundsätzlich zu Recht weist er darauf hin, daß natürlich überdimensioniertes Schnäppchenjagen dann zu großem Frust führen muß, wenn man gleich zu Beginn bei hohen Preisen zugeschlagen hat, die Ware im Verlauf des Absatzes dann aber sehr viel billiger wird. Aber Ebay sei ja schließlich ein Auktionshaus, da müsse man damit rechnen, daß mal ein Schnäppchen rausspringt, mal nicht.

Ich habe dort so kommentiert:

Auktionshaus?
Spricht nicht gerade die Abgabe zum Festpreis GEGEN das Prinzip einer Auktion?

Ebay hat durch die mangelnde Trennschärfe zwischen diesen Verkaufs-Typen sicher ohnehin Probleme: man wird es auf diese Weise immer mit unzufriedenen Teilmengen an Kunden zu tun haben. Und in diesem fehlekonstruierten Markt leiden dann auch die Händler/Anbieter, die keine eigene Antwortstrategie haben.

Ich sehe da mal folgende Punkte:

- Die Ware (Fahrkarte) ist in der zweiten Charge und mit der Ankündigung “Million” nicht wirklich ein begrenztes Gut. Mit einer solchen Ankündigung denkbar ungeeignet für eine Auktion.

- Den sich einpendelnden Preis der Ware (fairer Preis unter den Absatzbedingungen) eine um 1/3 billigere Variante an gleicher Stelle unmittelbar hinterherzuschicken ist dumm. Sie macht nicht nur den Wert des erstverkauften Produktes in der öffentlichen Wahrnehmung kaputt. Sie stört auch immens den Absatzprozeß, weil jetzt der Markt verunsichert ist. Hier sind jetzt Kaufhürden aufgebaut worden anstatt auf die Welle aufzuspringen.

- Die Bahn hat nicht begriffen, daß sie mit den Ebayern eine intensiv vernetzte Kundengruppe anspricht, deren Kommunikation untereinander höchst direkt ist. Man stelle sich vor, alle diese Kunden stehen gemeinsam als Menge im Bahnhof. Natürlich spricht sich jeder Bockmist sofort herum, die Gruppendynamik wirkt.

- In der Folge wird es aufgrund der millionenfach in die Menge gestreuten Tatsache “wir haben auch billige Karten” immer schwieriger, eine Kommunikation des angemessenen Preis-Wert-Verhältnisses zu führen. Wer von den Internetties jetzt eine Karte zum vollen Preis kauft und keinen Sitzplatz findet, mit Fahrkartenformalien konfrontiert wird, 2Euro30 für eine Pappe aufgerührten Pulverkaffe bezahlen soll, verspätet ankommt… der wird seine Basistoleranz dem System gegenüber und damit den Mitarbeiter-Menschen auf Null zurück fahren. Ich kann verstehen, wenn die Damen und Herren in Blaurot nun verstärkt auf die Barriakden gehen.


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