Ich wähle.
Ich bin also mit dabei. Ich darf aus der Shortlist mein “Start-up des Jahres 2008” auswählen.
Meine Kriterien hatte ich Christina gegenüber so formuliert:
- Eine Geschäftsidee mit konkretem Nutzen für die Kunden
- Möglichst (ich weiß, meist eine unrealistische Idealvorstellung) eine Idee, die On- und Offline miteinander verbindet, die das Leben abseits von Tastatur und Schirm sinnvoll mit der Netztechnik verbindet
- Originalität der Geschäftsidee – ein MeToo ohne “Weiterdenken” wird es sicher nicht
- ein abzusehenderweise funktionierendes Geschäftsmodell, das NICHT ausschließlich auf Werbung setzt
- eine Firma mit motivierten Menschen, die nicht mit Hungerlöhnen abgespeist werden
Nun, letzteres wird ohne Besuch und Gespräch nicht rauszubekommen sein. Und als Kriterium dienen kann das nur, wenn alle Kandidaten danach angeschaut werden können. Scheidet also aus. Bleibt: NoCopyCat, NoAdvertisementOnly, NoAmusementOnly, NoOnlineOnly.
Andererseits sollten Art und Ausführung des Auftritts, Charme der “Ideen-Identität” oder auch Gründungs-Energie eine Rolle spielen, alles nicht wirklich messbar und somit auch nicht in Vergleichbarkeiten auszuwerten. Bleibt: Subjektives Einschätzen. Und subjektiv sehend komme ich auch am weitesten.
Ich hab mich deswegen für panfu.de entschieden.
Panfu bietet eine Plattform für die Kinderbedürfnisse nach Beschäftigung und Wettbewerb. Es gibt Begeisterung durch Spiel und Bereicherung durch Lerneffekt.
Panfu ist für Kinder und das ziehe ich beim Werten mit ins Kalkül. Deswegen versuche ich den Auftritt und seine Machart nicht mit meinem nüchternen Web2.0-Business-Blick zu prüfen, der mir eigentlich ein Schütteln einbringen müsste. Und so sehe ich dann konsequent umgesetztes Kindchen-Schema. So gut umgesetzt, daß die Um-die-10-Jährigen offensichtlich in Mengen kommen. In diesem Alter ist man anscheinend gerne ein Panda, wie die Kommentare im dortigen Blog belegen.
Panfu ist aber auch auf die BudgetBewilliger der Kinder ausgerichtet und denen wird ein schönes Argument verkauft. Denn diese Eltern wissen, das Spielen am Computer läßt sich nicht verbieten. Also greifen Sie zu, wo zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden “die Kinder lernen ja englisch”. Und an dieser Stelle findet sich dann auch Panfus Geschäftsmodell: Man kassiert Abo-Gebühren.
Irgendwo hab ich mal gelesen, daß ein echter Gründer erst dann ein richtiger Gründer ist, wenn er vom Serialisierungsffekt erwischt wurde. Nun, dann sind die Panfus Moritz Hohl und Kay Kühne die richtigen, denn sie sind auch Frazrs.
OK, wenn ich es richtig sehe, gibt es noch andere Kinder-Online-Spiel-Plattformen. Meine Entscheidung verstößt also gegen mein eigenes Kriterium. Aber besonders gefallen hat mir – und das hebt die Negativ-Wertung wieder auf – daß man das Thema binnen kurzer Zeit internationalisiert hat. Und die Sicherung des Unternehmenserfolges durch das – ich sagmal – “Ent-Regionalisieren” ist essentiell. Gelingt die Expansion mit Erfolg in fremdsprachlichen Märkten (gleicher Kulturkreise wohlbemerkt) ist das Konzept stimmig, der Gründer erfolgreich. Ein Startup des Jahres muß diese Perspektive bieten.
Also, alles in allem eine ausnehmend subjektive Entscheidung, meine Entscheidung.
Ich wünsche viel Erfolg.
Übrigens, Cem’s Nummer eins war meine Nummer zwei.


