Es wurde geschossen. In Berlin.

Heute vor zwanzig Jahren am 6. Februar 1989 versuchte der 20-jährige Chris Gueffroy gemeinsam mit einem Freund, dem SED-Regime zu entkommen und nach West-Berlin zu fliehen. Kurz vor ihrem Ziel wurden die beiden jungen Männer entdeckt und vor dem Überklettern des Grenzzaunes von DDR-Grenzpolizisten beschossen. Zehn Kugeln trafen Chris Gueffroy, eine davon in die Brust. Er starb noch im Grenzstreifen.

Menschen, die ihre weltweit anerkannten Freiheitsrechte für sich in Anspruch nehmen wollen, wurden vom DDR-Staat mit tödlicher Gewalt daran gehindert. Zynisch dazu: der Mutter von Chris Gueffroy – sie war einen Tag nach dem Tod ihres Sohnes „zur Klärung eines Sachverhalts“ ins Ost-Berliner Polizeipräsidium bestellt worden – teilte man mit „Ihr Sohn hat ein Attentat auf eine militärische Einheit begangen. Ihr Sohn ist vor wenigen Stunden gestorben.“

Diese grausame Tat zeigt einmal mehr, wie menschenverachtend das Unrechtsregime der SED gewesen ist. Zugleich versteckten sich die Ausführenden passiv in Ansammlungen von Anordnungen und hinter Befehlsstrukturen. Einen Mörder gab es nicht.

Ich gedenke Chris Gueffroy und aller Menschen in der ehemaligen DDR, die ihren Wunsch nach Freiheit mit dem Leben bezahlt haben. Diese Verbrechen des SED-Regimes dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

Wer heute die DDR verklärt, muß sich dieser Auseinandersetzung um die Menschenverachtung stellen. Der muß Gefängnisse wie Potsdams Lindenstraße besuchen oder die Keller der Stasi in Berlins Mitte.

Wer heute noch die Existenz des Schießbefehls in Frage stellt und die SED-Diktatur verharmlost, verhöhnt die Opfer und ihre Angehörigen, verhöhnt unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung.


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One Response to “Es wurde geschossen. In Berlin.”

  1. Gravatar of Dr. Azrael Tod Dr. Azrael Tod
    6. Februar 2009 at 13:58

    Ich bestreite nicht dass die DDR menschenverachtend handelte oder dass der Schießbefehl auf die eigenen Bürger so ziemlich das Letzte ist was ein Staat anstellen kann (alle möglichen anderen Sachen hatte man mit dem MFS ja schon abehakt, irgendwie muss man sich ja steigern können).

    Was ich aber bestreite, ist dass wir momentan eine freiheitlich-demokratische Grundordnung haben. Das ist Wunschdenken.

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