Charles Ponzi – gut für 150 Jahre Knast
Charles Ponzi ist die personifizierte Tellerwäschergeschichte. In nur 6 Monaten war er vom mittellosen italienischen Einwanderer zum bestens bekannten Millionär in Boston geworden. Sein Charme machte ihn zwingend, seine Cleverness berauschte, sein Aufstieg schien unaufhaltsam, Geldadel und High-Society lagen ihm zu Füßen.
1920 hatte Charles Ponzi eine Geschäftsidee und gründete – so würde man es heute nennen – ein Startup im Derivate-Bereich. Genügend Anleger fanden sein Anlagemodell attraktiv: Er versprach 50% Gewinn in 45 Tagen oder “double your money in 90 days” – eine Verlockung, deren Größenordnung voluminös genug war, um bei vielen ohne weitere Fragen nach Reputation und Plausibilität den Rest Zweifel im Innersten abzuschalten. Nur allzu bereitwillig kippten über 40.000 Anleger ca. 15 Millionen Dollar in dieses System. Der internationale Handel mit Postwertscheinen – einer Art universeller Post-Währung – sollte diese Erträge abwerfen.
Anleger nahmen Hypotheken auf oder verflüssigten ihre Altersvorsorge um Investments bei Ponzi tätigen zu können. Gewinne wurden oft sofort wieder reinvestiert. Eine Menge Agenten requirierte Ponzi mit üppigsten Provisionen und machte sie zu überzeugten Gläubigen, die aus Sparern wiederum Gläubiger machten. Schnell schwelgte Ponzi im puren Luxus, wohnte schon 1920 mit Air-Condition und beheiztem Swimming-Pool.
Kritische Nachfragen, zum Beispiel von Journalisten, konterte er mit Einschüchterungen und Klagen – und gewann seinen Prozess gegen eine Zeitung. Plausibel waren die Verdächtigungen zwar, aber eben nicht beweisbar. Spät erst recherchierte man gründlich und rechnete penibel nach. Doch selbst die aufkommende Unruhe nach einer ersten Artikelserie bekam Ponzi noch mit Geschenken in den Griff. Anleger vertrauten ihm weiter.
Beileibe war Ponzi nicht der erste, der ein perpetuales System erfunden hatte. Die Geschichte der modernen Zivilisation ist voll von einfältigen bis ausgeklügelten Systemen, aus dem Nichts Geld zu machen. Zu mächtig ist die Sehnsucht nach Reichtum, zu verlockend die Aussicht, mit frühem und kleinem Risiko gegenüber den Followern zu triumphieren. Keine Geld-Idee kann noch so esoterisch sein, als das sie nicht noch zum Kristallisationspunkt eines Anlagediamanten werden könnte.
Allen diesen Formaten ist aber das gleiche Kernelement gemein: die Ausschüttung von Erträgen aus gerade erst angelegten Geldern von Frischlingen – und eben nicht aus der Verzinsung der Anlage in fremden Geschäften. Eine Spirale entsteht. Ständig muß neues Geld zugeführt werden, damit die Legende vom gewinnträchtigen Geschäftsmodell aufrecht erhalten bleiben kann.
“Gelernt” hatte Ponzi von Luigi “Louis” Zarossi, einem Bankier, der sein Institut mit – vergleichsweise moderaten – Versprechungen von 6% Zinsen vor dem Konkurs bewahren wollte – was ihm nicht gelang. Zu dieser Zeit arbeitete Ponzi im Haushalt des Bankiers, eine einmalige Chance, diese Art von Geschäft aus erster Hand zu studieren.
Es kam, wie es immer kommt. Ein Außenanlass brachte das mühsam austarierte Schwindelgebäude zum Einsturz. Am Ende verzeichnet die Gerichtsbilanz des später “Ponzi-Scheme” genannten Betrugs 2/3 Verlust. 6 Banken machten in diesem Zusammenhang Pleite. Ponzi wurde erstmals verurteilt zu 5 Jahren Haft.
Gestern nun wurde der legitime Nachfolger Ponzis inauguriert. Er heißt Madoff und ist wegen des Betreibens eines Ponzi-Schemas verurteilt. Auf Madoffs Betrugskonto gehen keine Millionen, es sind Milliarden. Anlagevermögen in der Höhe eines Bruttosozialproduktes von Bulgarien oder Luxemburg ist vernichtet. Weg. Vollständig.
Bernard L. Madoff wurde zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Ponzi saß alles zusammen gerechnet 12-einhalb. Die Anleger wurden in beiden Fällen mit dem Verlust Ihres Vermögens bestraft.
Die nächste todsichere Anlage wartet sicher bereits um die Ecke.
http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Ponzi
http://en.wikipedia.org/wiki/Ponzi_scheme
http://www.nytimes.com/2009/06/30/business/30madoff.html
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