Archive for the Category LuL – Leben und Lebenlassen

 
 

Facebook Konto gelöscht

Liebe “Ex-Freunde” auf Facebook, es ist nichts persönliches.

Ich habe heute mein Facebook-Konto geleert und gelöscht, sozusagen in einer Art Affekthandlung nachdem ich Tyler Brule bei der Zeit gelesen habe. Zuvor hatte ich schon Marshall Kirkpatrick den Hinweis auf das Zuckerberg-Interview gelesen.

Gründe gibt es wahrlich viele und eher ist es die Summe der einzelnen die mich getrieben haben, als ein Grund alleine. Ironischerweise mag es ein Kennzeichen Sozialer Netze sein, daß gerade die vernetzten Gründe dann den Ausschlag geben.

Die Tat schwelt schon länger, seit ich nämlich sehe, welche Banalitäten und Absurditäten manche der Menschen von sich geben, die ich im “realen” Leben als “vernünftig” kenne. Oder die sich mit wohl ausuferndem Zeitbedarf irgendwelchen Mafia-Spielen oder BauernhofDorf-Simulationen hingeben, sich beim Trinken oder beim in-religiöse-Sekten-abgleiten beobachten lassen. Und natürlich sah ich mich selbst mittendrin, affektiert um Aufmerksamkeit heischend, gebunden an fremdbestimmte Features, abhängig von Policies, die dem Marketing unterworfen werden.

Allen anderen wünsche ich noch viel Spaß.

Charles Ponzi – gut für 150 Jahre Knast

Charles Ponzi ist die personifizierte Tellerwäschergeschichte. In nur 6 Monaten war er vom mittellosen italienischen Einwanderer zum bestens bekannten Millionär in Boston geworden. Sein Charme machte ihn zwingend, seine Cleverness berauschte, sein Aufstieg schien unaufhaltsam, Geldadel und High-Society lagen ihm zu Füßen.

1920 hatte Charles Ponzi eine Geschäftsidee und gründete – so würde man es heute nennen – ein Startup im Derivate-Bereich. Genügend Anleger fanden sein Anlagemodell attraktiv: Er versprach 50% Gewinn in 45 Tagen oder “double your money in 90 days” – eine Verlockung, deren Größenordnung voluminös genug war, um bei vielen ohne weitere Fragen nach Reputation und Plausibilität den Rest Zweifel im Innersten abzuschalten. Nur allzu bereitwillig kippten über 40.000 Anleger ca. 15 Millionen Dollar in dieses System. Der internationale Handel mit Postwertscheinen – einer Art universeller Post-Währung – sollte diese Erträge abwerfen.

Anleger nahmen Hypotheken auf oder verflüssigten ihre Altersvorsorge um Investments bei Ponzi tätigen zu können. Gewinne wurden oft sofort wieder reinvestiert. Eine Menge Agenten requirierte Ponzi mit üppigsten Provisionen und machte sie zu überzeugten Gläubigen, die aus Sparern wiederum Gläubiger machten. Schnell schwelgte Ponzi im puren Luxus, wohnte schon 1920 mit Air-Condition und beheiztem Swimming-Pool.

Kritische Nachfragen, zum Beispiel von Journalisten, konterte er mit Einschüchterungen und Klagen – und gewann seinen Prozess gegen eine Zeitung. Plausibel waren die Verdächtigungen zwar, aber eben nicht beweisbar. Spät erst recherchierte man gründlich und rechnete penibel nach. Doch selbst die aufkommende Unruhe nach einer ersten Artikelserie bekam Ponzi noch mit Geschenken in den Griff. Anleger vertrauten ihm weiter.

Beileibe war Ponzi nicht der erste, der ein perpetuales System erfunden hatte. Die Geschichte der modernen Zivilisation ist voll von einfältigen bis ausgeklügelten Systemen, aus dem Nichts Geld zu machen. Zu mächtig ist die Sehnsucht nach Reichtum, zu verlockend die Aussicht, mit frühem und kleinem Risiko gegenüber den Followern zu triumphieren. Keine Geld-Idee kann noch so esoterisch sein, als das sie nicht noch zum Kristallisationspunkt eines Anlagediamanten werden könnte.

Allen diesen Formaten ist aber das gleiche Kernelement gemein: die Ausschüttung von Erträgen aus gerade erst angelegten Geldern von Frischlingen – und eben nicht aus der Verzinsung der Anlage in fremden Geschäften. Eine Spirale entsteht. Ständig muß neues Geld zugeführt werden, damit die Legende vom gewinnträchtigen Geschäftsmodell aufrecht erhalten bleiben kann.

“Gelernt” hatte Ponzi von Luigi “Louis” Zarossi, einem Bankier, der sein Institut mit – vergleichsweise moderaten – Versprechungen von 6% Zinsen vor dem Konkurs bewahren wollte – was ihm nicht gelang. Zu dieser Zeit arbeitete Ponzi im Haushalt des Bankiers, eine einmalige Chance, diese Art von Geschäft aus erster Hand zu studieren.

Es kam, wie es immer kommt. Ein Außenanlass brachte das mühsam austarierte Schwindelgebäude zum Einsturz. Am Ende verzeichnet die Gerichtsbilanz des später “Ponzi-Scheme” genannten Betrugs 2/3 Verlust. 6 Banken machten in diesem Zusammenhang Pleite. Ponzi wurde erstmals verurteilt zu 5 Jahren Haft.

Gestern nun wurde der legitime Nachfolger Ponzis inauguriert. Er heißt Madoff und ist wegen des Betreibens eines Ponzi-Schemas verurteilt. Auf Madoffs Betrugskonto gehen keine Millionen, es sind Milliarden. Anlagevermögen in der Höhe eines Bruttosozialproduktes von Bulgarien oder Luxemburg ist vernichtet. Weg. Vollständig.

Bernard L. Madoff wurde zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt. Ponzi saß alles zusammen gerechnet 12-einhalb. Die Anleger wurden in beiden Fällen mit dem Verlust Ihres Vermögens bestraft.

Die nächste todsichere Anlage wartet sicher bereits um die Ecke.

http://en.wikipedia.org/wiki/Charles_Ponzi

http://en.wikipedia.org/wiki/Ponzi_scheme

http://www.nytimes.com/2009/06/30/business/30madoff.html

Twitter – Nix für Über50?

Benutzungshinweis: Dieser Text ist nicht für Allesversteher. Die verstehen ja schon alles. Dieser Text richtet sich an die vornehmlich-noch-nicht-so-netz-affinen Menschen, die Twitter ausprobieren wollen, aber nicht recht wissen, wie sie das anstellen sollen und warum auch. Ich hoffe, ich kann eine kleine Anregung geben.

“Was soll ich mit diesem Twitter? Das ist doch was für die jungen Leute. “

Grade wir Älteren – und ab 50 zählt man dazu – sind es ja müde, immer wieder auf neue Züge aufzuspringen, die durch die Gesellschaft rasen und viel Volk aufsammeln. Allzuoft haben wir gesehen, es ist nur Mode, was uns als Innovation verkauft wird. Immer seltener ist man im Alter von wirklich wichtigen Strömungen zu überzeugen.

Sicher, Twitter ist ein “Kommunikations-Tool” für junge Leute. Allerdings nur dann, wenn man die Nutzerschaft auszählt. Denn die Technik an sich ist verständlich und verwendbar für jedermann. Jeder, der je eine SMS verschicken konnte, kann twittern. Obwohl die Analogie nicht 100%ig trifft ist Twittern – kurz erklärt – das öffentliche Versenden von SMS gleichzeitig an Bekannte und Unbekannte. Inhaltlich gibt es keine Grenzen – jedenfalls solange der eigenen Reputation durchs Twittern drohende Schädigung keine Grenze gesetzt wird.

Also, was ist dran am twittern?

Twittern bedeutet, die eigenen Augen auf dem „Livestream“, dem Strom ungefilterter Ereignisse zu haben. Ereignisse, die sich in den – oft unreflektierten – Statements von Menschen spiegeln. Twittern bedeutet aber auch, ständig mit Meinung torpediert zu werden, Meinungen, denen man zustimmen kann und Meinungen, denen man widersprechen muß. Und dazwischen kommt das Ach und Weh des Alltags, Unbedeutendes, Informatives, Rührendes, Naives, Verzweifeltes, Ödes, Spannendes, Dummes, Hoffnungmachendes – eben die Fülle des ganzen Lebens.

Und wann macht Twittern richtig Spaß?

Ganz einfach ;)

Eigentlich kommt es nur darauf an, den richtigen Leuten zu folgen und von ihnen – nein, nicht verfolgt sondern – gefolgt zu werden. Wer sich in der richtigen Gesellschaft wiederfindet, der unterhält sich auch gut. Nicht besonders neu, oder?

Stellen Sie sich mal einen Empfang vor. Sie sind gut angezogen, kommen allein und stehen in der Mitte des Saales. Sie fangen Gesprächsfetzen von überall auf, aber Sie sind nicht wirklich in ein Gespräch einbezogen. Um sie herum quatschen alle. Sie mühen sich. Vielleicht werden Sie ja sogar eine Antwort in dieser oder jener Art los. Aber Sie sind nicht wirklich in einem Gespräch. Und weil Sie einfach nicht mitkommen, gehen Sie nach Hause.

An dieser Stelle finden sich viele neugierige Kurz-Twitterer. Sie sind überwältigt von der Gewalt der Flutwelle, der sie keine Dämme und Schleusen entgegensetzen können. Tweets über Tweets, alle ohne Relevanz und ohne Verbindung zu eigenen Identität.

Aber wenn diese Hürde überwunden wird, kann Twitter großen Spaß machen. Und das gelingt auch Ihnen. Setzen Sie auf Persönlichkeit, auf Ihre Persönlichkeit. Verzichten Sie einfach auf Gemache und Getue, vergessen Sie Schlips und Kragen und seien Sie so wie sie sind. Denken Sie, aber grübeln Sie nicht. Formulieren Sie, aber wortklauben Sie nicht. Machen Sie nicht das Unwichtige wichtig und lassen Sie andere Meinungen gelten.

Und wie geht das jetzt mit dem Folgen?

Das geht ganz einfach über den Follower-Knopf. Den findet man im Profil der Person, die man gerade gelesen hat. Klick – und los geht’s.

Und wo sind jetzt die Tipps?

Hier:

Folgen Sie Ihren Vordenkern.

Lesen Sie Blogs? Gibt es Blogger, die Sie immer wieder gerne lesen? Versuchen Sie diese Menschen auf Twitter zu finden. Meist haben die Blogger einen passenden Link in ihrem Profil. Oder Sie suchen in der Profilsuche von Twitter nach dem Pseudonym oder dem Klarnamen. Aber Sie können natürlich auch eine Email schreiben und um den Twitternamen bitten. Folgen Sie diesen Menschen und machen Sie die Erfahrung, daß Sie nicht selten direkt “zurück-ge-followt” werden.

Was Sie davon haben?

Na, dann stellen Sie dort mal Fragen. Und beantworten Sie die Fragen der anderen. Sie werden echte Interaktion erleben, pure Kommunikation und ein Diskurs beginnt.

Folgen Sie Ihrem Hobby.

Sie sind ein Enthusiast des Geo-Cachings? Oder es begeistert Sie die Bundesliga? Sie spielen Rollenspiele? Besuchen Sie doch mal die Web-Seiten zu Ihrem Hobby und suchen dort nach einem “Follow us at Twitter”. Ihr Twitter-Konto wird unmittelbar zum direkten News-Feed Ihres Hobbys, gespickt mit Tips zu Webseiten und Links zu anderen Twitterern.

Folgen Sie Schulen und Unis und folgen Sie Unternehmen.

In den USA nutzen Bildungseinrichtungen Twitter schon sehr intensiv, denn aufgrund von Ressourcendefiziten (man kann auch Geldmangel sagen) bleiben ihnen kaum klassische Möglichkeiten der Veröffentlichung. In Deutschland haben die Einrichtungen zwar auch kein Geld aber sie haben das Twittern noch nicht entdeckt. Der Elfenbeinturm ist noch geschlossen. Aber vielleicht twittert ja gerade einer Ihrer Profs? Suchen Sie doch mal und konfrontieren Sie Ihren akademischen Lehrer mit den Thesen von einst.

Und Unternehmen twittern natürlich auch, allerdings aus ganz anderem Grund: Sie suchen Publicity, wollen “in” sein. Und das kann spaßig werden, weil es nur allzuoft entlarvt. Spannender kann es manchmal sein, nach Kollegen im eignen Haus zu suchen und ihnen zu folgen. Mancher Flurfunk wird nun auch endlich Sie erreichen. Und vielleicht können Sie selbst ja auch mal zur Erhellung beitragen?

Folgen Sie Freunden.

Sie haben viele Freunde auf Twitter, die Sie einfach nur noch nicht kennen. Untrüglich ist der tief empfundene Zwang, ein Posting zu retweeten, also einen Tweet quasi wie ein Echo wieder nach draußen an Ihre Follower zu geben. Wenn Sie etwas lesen, was andere unbedingt auch wissen sollten, dann ist das ein verlässlicher Hinweis auf potentielle Wesensverwandtschaft. Drücken Sie Follow!

Verwenden Sie zwei Profile.

Wenn Ihnen Ihr Chef aber schon den Auftrag gegeben hat, für die Firma das “neue Twitter Dings da” zu machen, schaffen Sie sich bitte sofort ein zweites Profil an, ein privates. Sie werden es bitter bereuen, wenn Sie Ihre Meinung nicht von der Ihrer Firma auseinanderhalten können. Spätestens beim nächsten Bewerbungsgespräch.

Seien Sie dabei. Und zwar oft.

Schauen Sie oft nach Ihrem Twitter-Konto. Es ist ein Fluss von Nachrichten und Meinungen, der ununterbrochen an Ihnen vorbei fließt. Wenn Sie nur einmal in der Woche hinschauen verpassen Sie die inspirierenden Diskussionen und die gutenTips.

Am besten schauen Sie mehrmals am Tag in Ihren Strom, auch wenn es nur für ein paar Minuten ist. Haben Sie einen passenden PDA oder ein “mobile”, dann nutzen Sie die U-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, die drei Minuten nach dem Mittagessen, bis Sie das Tablett wegräumen oder die Zeit, während Ihre Lieben zuhause sinnlose Vorabendserien schauen (und das TV ohnehin für Sie blockiert ist). Twitdroid fürs Android-Phone oder Tweetie fürs iPhone sind gute Software-Vorschläge. Aber Achtung: packen Sie einen zweiten Akku ein oder ein USB-Ladekabel. Sie werden überrascht sein, wie lange 3 Minuten surfen sein können.

Jetzt erhöhen Sie Ihre Chancen, dass Ihnen Relevantes nicht entgeht.

Benutzen Sie die Schlüsselwort-Suche oder klicken Sie auf die Trending Topics.

Inspiration kommt nicht aus dem blauen Himmel. Wenn Sie für Geld kreativ denken müssen, dann lassen Sie sich helfen, in dem sie sich neuen Stichworten zuwenden. Die “Trending Topics” bündeln zeitnah und aktuell wichtige Themen. Schnell haben Sie hunderte Postings in wenigen Minuten zusammen, es entsteht ein umfangreiches Bild vor Augen, genug Material zum recherchieren.

Übrigens, die Wörter mit der Raute davor nent man Hash-Tags. Das ist englisch. Und man kann witzige Sachen damit machen. Sie werden schon sehen.

Benutzen Sie eine spezielle Desktop-Anwendung.

Twitter ist oft eine Kakophonie. Ein einziger gemischter Strom auf der Twitter-Homepage kann für den konservativ geschulten Intellekt (die akademische Karriere begann z.B. mit der Grundschule in den 60ern) unbeherrschbar werden.

Falls es Sie – wie auch mich – ablenkt, wenn viele Gespräche auf einmal laufen, probieren Sie TweetDeck, Seesmic oder Tweetie aus. Diese kostenlosen Programme trennen Tweets in Gruppen oder Listen auf, und Sie können auf einen Blick erkennen, was die Geo-Cacher, die Briefmarkensammler oder die Blogger mitzuteilen haben.

Fazit

Lassen Sie sich nicht abschrecken, Twittern ist ein Erlebnis!

(Inspiriert von/inspired by Lorrie Jackson )

PS: Twittern macht uns unglaublich relevant

Kaffee – bestens geeignet für MassCustomization

Würde ich gefragt, welches meine Allerweltselemente im Alltag wären, müsste ich zu den unverzichtbaren Bedürfnissen vermutlich Kaffee zählen. Morgens auf dem Weg zum Bad wird zuerst die Maschine bestückt. Für die S-Bahn gibts einen Bahn-Becher. Auf der Arbeit wird die Arbeitskanne ausgepumpt. Und für Satte gibts am Nachmittag einen Latte Macchiato vom Italiener im Haus.

Sonntags ist das anders. Da ist Zeit und Muße und ich will genießen.

Meine Mischung bei sonntagmorgen.com

Meine Mischung bei sonntagmorgen.com

Da kam mir der Sonntagsmorgen-Kaffee von Till und seinen Kollegen wie gerufen. Denn dort bietet man einen Service, den ich hier um die Ecke nicht bekomme. Dort kann ich Kaffee aus Sorten mischen, mit Aromen peppen, mir das ganze nach Hause schicken lassen und dann in Ruhe ausprobieren. Ich bin im Convenience-Alter und schätze sowas ;-)

Von der jüngsten Mischung hab ich mal das Etikett ge-screenshot-tet.

Als Blogger mit Ehre möchte ich darauf hinweisen, daß ich für diesen Post und das Banner an der Seite KEINE Bezahlung oder eine andere Vergünstigung bekomme. Ich möchte einfach nur meiner Freude über einen tollen Service und ein feines Produkt von netten Leuten Ausdruck geben.

Pictures in an Exhibition – Leibovitz' Life

Berlin hat mal wieder was von Weltrang zu bieten.

Zwar mit deutlich weniger Pomp, als bei den amerikanischen Franzosen, aber dafür – Dank der Location – um so authentischer und lebendiger ist seit dem 21. Februar eine Werkschau von Annie Leibovitz (dt. Wikipedia, umfangreicher in der engl. Wikipedia) im Berliner Postfuhramt zu sehen. Die schwangere Demi Moore mit den beiden Händen von Bruce auf dem Bauch, der nackte an seine Yoko Ono geschmiegte John Lennon 5 Stunden vor seiner Ermordung, die 2000 gerade ins Weiße Haus eingezogene hämisch grinsende Bush-Truppe – in der kollektiven Wahrnehmung des 20. Jahrhunderts eingebrannte Bilder, viele davon in der Ausstellung in Berlin.

Angereichert sind sie mit sehr persönlichen Aufnahmen aus dem privaten Leben der Leibovitz. Bilder der Mutter, der Geschwister, der Kinder der Familie, viele mit Stimmung, vorsichtig inszeniert, aber viele auch mit Schnappschußcharakter.

Eine pralle Tüte Leben in Fotos

3 Stunden entdecken auf 2 Etagen, thematisch gruppiert, die volle Breite des Spektrums anreißend. Mittendrin eine Zeitskala und daran orientierte Dutzende Kontaktabzüge. Zu sehen sind Auftragsarbeiten neben intimen Situationen, Alltagsszenen, Portraits berühmter und nicht berühmter Menschen, Reiseeindrücke, verfremdete Landschaften, Arbeitssituationen und Schreibtische. Finden sich in einem Raum die politischen und militärischen Helden Amerikas vom Schlage Powell und Schwarzkopf in Pracht und Gardeuniform, so finden sich im nächsten Zimmer Szenen der kranken und toten US-Geistesgröße Susan Sonntag, der Frau, mit der Annie in Liebe verbunden war und ist.

Szenen einer Arbeit

Und mittendrin – in einem ständig überfüllten und des Luftmangels wegen Ohnmacht generierenden Treppenhaus – ein sehr dichter Dokumentarfilm über die Leibovitz, über ihre Arbeit beim Rolling Stone, bei Vanity Fair, mit Shooting-Szenen und Sequenzen, die man aus einem “Making-of” entnommen haben könnte, mit vielen schnell geschnittenen Intervies, zum Beispiel mit Yoko Ono und mit Statements von unmengen von Weggefährten. Leibovitz’ Leben ohne Tabus mit allerlei Eskapaden.

C|O – “Care of” im Postfuhramt

Jenes Postfuhramt in der Oranienburger Straße, das seit einigen Jahren zum Kulminationspunkt für Fotographie geworden ist – Dank der engagierten und erstaunlichen Arbeit von C|O, eines Teams um Stephan Erfurt, Marc Naroska und Ingo Pott – jenes Gebäude in seinem unrestaurierten Zustand mit abplatzender Farbe, offen verlegten Leitungen, mit Scheinwerfern im Treppenhaus und all den abgenutzen Böden, Türen, Fenstern, es vermittelt genau jene Studioatmosphäre, die auch immer wieder aus den Bildern selbst entspringt. Annie könnte jederzeit zwischen den Menschen stehen und deren Erstaunen festhalten. Aber hat sie das nicht eben sogar?

Schlangestehen ist angesagt. Es ist es wert.

Ausstellung
Annie Leibovitz . A Photographer’s Life . 1990 – 2005
21.02. bis 24.05.09

C/O Berlin

200 teils großflächige, monochrome Landschaftsaufnahmen, teils private Familienfotos und kleinformatige Schwarz-Weiß-Porträts.

Der Traum vom menschlichen Fliegen: Problem gelöst. Zumindest 2-Dimensional

Es gibt Momente in diesem Leben, da bin ich höchsten Mächten dankbar für meine Platzierung in der Jetztzeit. Denn Dank modernen Techniken, verrückten Ideen, belastbaren Materialien, brillianter Infrastruktur und, nicht zuletzt, des Internets als Modernes-Märchen-Medium kann ich an Experimenten teilhaben, wie es nie zuvor denkbar war. Nun, sagen wir in gewisser Weise jedenfalls.

Nehmen wir Jean-Yves Blondeau zum Beispiel. Das ist ein junger Mann, der sich zur Aufgabe gemacht hat, den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Na gut, möglicherweise nur der einen Hälfte der Bevöklerung, derjenigen, die immer schon fliegen – oder sich zumindest hilfsweise vom Berg stürzen wollten. Aber, das kommt dem Selbstfliegen schon ziemlich nahe, verglichen jedenfalls mit meinen kindlichen (Alb-)träumen.

Da habe ich auch immer leicht über dem Boden geschwebt, auf dem Bauch und habe mit meinem Körper gelenkt. Bin unsere Straße runtergerast und habe grenzenlose Freiheit gespürt. Jedenfalls bis ich aufwachte.

Jean-Yves hat sich das zur realen Profession gemacht. Und wie. In einem robocop-artigen Anzug schmeißt er sich auf eine Paßstraße und schliddert mit mords Kurvenmanövern ins Tal, gutausgebauten schweizer Straßen sei Dank. Meinereiner wich in seinem Traum den Hindernissen durch abheben aus. Jean-Yves ist da noch nicht ganz soweit, an der 3. Dimension arbeitet er noch. Hilfsweise überholt er einfach (ganz am Schluß).

J-Y, Du bist mein heutiger Held!

via Koehntopp

Von wegen "Mach schon" – Ich geb Dir gleich…

Schon ein Weilchen online, schmeist einen aber immer aus dem Stuhl.

Auch nur Menschen: Besondere Falschparker und andere Verkehrssünder

Öffentliche Bürgerkontrolle über die Institutionen des Staates (z.B. Bürgerhaushalt) ist bei uns noch ein zartes Pflänzchen.

Wenn man sich in der Kommunalpolitik umhertreibt, dann wird man immer wieder mit den Grenzbereichen von Ordnung und Ordnungswidrigkeit konfrontiert. Man lernt, daß manch Verfolger auch ein Täter ist. Und so offenbaren sich – natürlich, welche Binsenweisheit – menschliche Schwächen bei unseren Organen der Rechtspflege.

Falschparken, Blockieren von Hydranten, verbotenes Wenden über durchgezogene Linien, 2. Reihe stehen – und alles wegen Hunger. Jimmy Justice filmt Verkehrssünder in NY… die Polizei! Und er geht nicht grade zimperlich vor, verwendet die Kamera als Sicherheit.

http://www.huffingtonpost.com/2008/08/03/jimmy-justice-videos-vigi_n_116590.html

via

In anderen Ländern spielt man gerne auch mal Kellentennis.

Segeln vor Somalia aber Angst vor Uran im Trinkwasser – herrlich-böse Sottise von Michael Miersch

Michael Miersch läuft zur Hochform auf:

Wer wirklich starke Nerven hat, geht in iranischen Gewässern fischen, unternimmt eine Motorradtour durch den Jemen oder segelt vor der somalischen Küste – Volksgefängnis inklusive.

Und weiter:

Am 26. Mai dieses Jahres drängelten sich 77 Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest. Wenn sie dann wieder am Flughafen sind und sich eine Zeitung am Kiosk holen, stoßen sie auf bedrohliche Schlagzeilen: “Uran im Trinkwasser!” oder “Politiker wollen Überraschungseier verbieten”. Die westlichen Gesellschaften haben sich auf die Suche nach dem Restrisiko begeben, und sie finden es überall: im Trinkwasser, im Mobiltelefon, in der Zahnfüllung. Besondere Gefahr lauert beim Essen von was auch immer. Was geht da vor? Warum fürchten sich Bungee-Springer vor Genmais?

Herrlich.

Als unbequemer Leitartikler in der bekannt unlinken Welt aus Springers Haus nimmt er die Sauregurken-Meldung vom Uran im Trinkwasser aufs Korn. Neben der – erwartbaren – Kritik an “einer professionellen Aktivistengruppe” packt er vor allem aber seine Berufskollegen an den Griffeln. Ihre Einordnung von Gefahren, realen und irrealen scheint ihm wohl verbesserungsfähig. Da steht er wohl nicht aleine, mit dieser Meinung.

Interessanter Aspekt: Sein Hinweis auf die unterscheidliche Wahrnehmung von freiwillig eingegangen und aufgezwungenen Risiken.

Weiter hier: http://www.welt.de/welt_print/arti2319932/Auf_den_Himalaja_ohne_Ueberraschungseier.html.

Egal ob mit 1,4 oder 4,7 Gigahertz gerührt, die Roulladen werden nicht eher fertig.

Tja das Speicher-Subsystem.

So eine Flasche Merlot braucht, bis sie beim Level-1-Cache angeliefert worden ist.

Und in der Latenzzeit dazwischen kann man den Prozessor ruhig runtertakten. Die Rouladen sind eeerst fertig, wenn sie mit dem Wein abgelöscht sind!!

http://de.youtube.com/watch?v=ojjW1R2PquU

via Indiskretion Ehrensache und podpimp