Auch nur Menschen: Besondere Falschparker und andere Verkehrssünder

Öffentliche Bürgerkontrolle über die Institutionen des Staates (z.B. Bürgerhaushalt) ist bei uns noch ein zartes Pflänzchen.

Wenn man sich in der Kommunalpolitik umhertreibt, dann wird man immer wieder mit den Grenzbereichen von Ordnung und Ordnungswidrigkeit konfrontiert. Man lernt, daß manch Verfolger auch ein Täter ist. Und so offenbaren sich – natürlich, welche Binsenweisheit – menschliche Schwächen bei unseren Organen der Rechtspflege.

Falschparken, Blockieren von Hydranten, verbotenes Wenden über durchgezogene Linien, 2. Reihe stehen – und alles wegen Hunger. Jimmy Justice filmt Verkehrssünder in NY… die Polizei! Und er geht nicht grade zimperlich vor, verwendet die Kamera als Sicherheit.

http://www.huffingtonpost.com/2008/08/03/jimmy-justice-videos-vigi_n_116590.html

via

In anderen Ländern spielt man gerne auch mal Kellentennis.

Segeln vor Somalia aber Angst vor Uran im Trinkwasser – herrlich-böse Sottise von Michael Miersch

Michael Miersch läuft zur Hochform auf:

Wer wirklich starke Nerven hat, geht in iranischen Gewässern fischen, unternimmt eine Motorradtour durch den Jemen oder segelt vor der somalischen Küste – Volksgefängnis inklusive.

Und weiter:

Am 26. Mai dieses Jahres drängelten sich 77 Menschen auf dem Gipfel des Mount Everest. Wenn sie dann wieder am Flughafen sind und sich eine Zeitung am Kiosk holen, stoßen sie auf bedrohliche Schlagzeilen: “Uran im Trinkwasser!” oder “Politiker wollen Überraschungseier verbieten”. Die westlichen Gesellschaften haben sich auf die Suche nach dem Restrisiko begeben, und sie finden es überall: im Trinkwasser, im Mobiltelefon, in der Zahnfüllung. Besondere Gefahr lauert beim Essen von was auch immer. Was geht da vor? Warum fürchten sich Bungee-Springer vor Genmais?

Herrlich.

Als unbequemer Leitartikler in der bekannt unlinken Welt aus Springers Haus nimmt er die Sauregurken-Meldung vom Uran im Trinkwasser aufs Korn. Neben der – erwartbaren – Kritik an “einer professionellen Aktivistengruppe” packt er vor allem aber seine Berufskollegen an den Griffeln. Ihre Einordnung von Gefahren, realen und irrealen scheint ihm wohl verbesserungsfähig. Da steht er wohl nicht aleine, mit dieser Meinung.

Interessanter Aspekt: Sein Hinweis auf die unterscheidliche Wahrnehmung von freiwillig eingegangen und aufgezwungenen Risiken.

Weiter hier: http://www.welt.de/welt_print/arti2319932/Auf_den_Himalaja_ohne_Ueberraschungseier.html.

Arroganz gesäht, Zorn geerntet

Wilfried Ruß hat in seinem 1stplan-Blog gerade die im Manager-Magazin beschriebenen Verwerfungen rund um die Bahn-Tickets bei Ebay kommentiert.

Grundsätzlich zu Recht weist er darauf hin, daß natürlich überdimensioniertes Schnäppchenjagen dann zu großem Frust führen muß, wenn man gleich zu Beginn bei hohen Preisen zugeschlagen hat, die Ware im Verlauf des Absatzes dann aber sehr viel billiger wird. Aber Ebay sei ja schließlich ein Auktionshaus, da müsse man damit rechnen, daß mal ein Schnäppchen rausspringt, mal nicht.

Ich habe dort so kommentiert:

Auktionshaus?
Spricht nicht gerade die Abgabe zum Festpreis GEGEN das Prinzip einer Auktion?

Ebay hat durch die mangelnde Trennschärfe zwischen diesen Verkaufs-Typen sicher ohnehin Probleme: man wird es auf diese Weise immer mit unzufriedenen Teilmengen an Kunden zu tun haben. Und in diesem fehlekonstruierten Markt leiden dann auch die Händler/Anbieter, die keine eigene Antwortstrategie haben.

Ich sehe da mal folgende Punkte:

- Die Ware (Fahrkarte) ist in der zweiten Charge und mit der Ankündigung “Million” nicht wirklich ein begrenztes Gut. Mit einer solchen Ankündigung denkbar ungeeignet für eine Auktion.

- Den sich einpendelnden Preis der Ware (fairer Preis unter den Absatzbedingungen) eine um 1/3 billigere Variante an gleicher Stelle unmittelbar hinterherzuschicken ist dumm. Sie macht nicht nur den Wert des erstverkauften Produktes in der öffentlichen Wahrnehmung kaputt. Sie stört auch immens den Absatzprozeß, weil jetzt der Markt verunsichert ist. Hier sind jetzt Kaufhürden aufgebaut worden anstatt auf die Welle aufzuspringen.

- Die Bahn hat nicht begriffen, daß sie mit den Ebayern eine intensiv vernetzte Kundengruppe anspricht, deren Kommunikation untereinander höchst direkt ist. Man stelle sich vor, alle diese Kunden stehen gemeinsam als Menge im Bahnhof. Natürlich spricht sich jeder Bockmist sofort herum, die Gruppendynamik wirkt.

- In der Folge wird es aufgrund der millionenfach in die Menge gestreuten Tatsache “wir haben auch billige Karten” immer schwieriger, eine Kommunikation des angemessenen Preis-Wert-Verhältnisses zu führen. Wer von den Internetties jetzt eine Karte zum vollen Preis kauft und keinen Sitzplatz findet, mit Fahrkartenformalien konfrontiert wird, 2Euro30 für eine Pappe aufgerührten Pulverkaffe bezahlen soll, verspätet ankommt… der wird seine Basistoleranz dem System gegenüber und damit den Mitarbeiter-Menschen auf Null zurück fahren. Ich kann verstehen, wenn die Damen und Herren in Blaurot nun verstärkt auf die Barriakden gehen.

Amerika. Land der Unbegrenztheit an der Grenze.

So groß sind die Illusionen und Träume, die Deutsche von diesem strahlenden und überaus verheißungsvollen Land an der anderen Seite des Atlantik haben, daß sie es mit dem ganzen Kontinent gleichsetzen. Amerika, das steht hierzulande zunächst einmal immer und überall für die Vereinigten Staaten. Und in gewisser Weise ist der Kontinent ja immer schon US-amerikanisch, Kanada im Norden – mal abgesehen von den Mounties, diesen Polizisten in Paradeuniformen – sieht innen aus wie die USA. Und die Wirtschaften der latein- und südamerikanischen Länder dienten Jahrzehnte als Ressourcen-Pool für die Geschäfte der USA mit der Welt. Die USA scheinen also nicht nur zwischen New York und Los Angeles zu liegen. Dieses Bild ist quasi Axiom deutscher Nachkriegsgeschichte.

Ausgeprägt hat sich dieses Bild in einem Tryptichon von gesellschaftlichem Wohlstand, politischem Wahrheitsanspruch und Weltmachtwirtschaft. Grade nach dem Untergang der Sowjetunion und dem damit verbundenen Wegfall des amerikanischen Nachkriegsantagonisten sind die Grenzen der USA noch einmal weiter in die Ferne gerückt. Der American-Way-of-Live schien sich auf anderen Kontinenten Bahn zu brechen, schneiste durch Urwälder und asphaltierte Wüstenwege.

Aber Amerika ist eben doch zwischen Kap Horn und Eismeer. Und so schaffen es die Länder der amerikanischen Süd-Hälfte angesichts der wirtschaftlichen Schwäche der USA der damit verbundenen Reduktion von Abhängigkeiten und der gleichzeitig erfolgenden Zunahme außeramerikanischer Handelsbeziehungen ihre Autarkie zu stärken. Ihr sozialistischer politischer Überbau bildet den neuen US-amerikanischen Antagonisten.

Zum selben Zeitpunkt müssen die USA einsehen, daß die der gegenwärtigen Administration zunächst unbegrenzt erschienenen Ressourcen eben doch endlich sind. Und die Amerikaner bekommen diese Tatsache wirklich drastisch vor Augen geführt. Da ist das außer Rand und Band geratene Wirtschaftswachstum der Chinesen. Da sind die militärischen Engagements, die wie Manöver gestartet wurden und sich zu existenzieller Bedrohung erwachsen. Schwäche wird offensichtlich, Drohgebärden Richtung Dritte wirken nicht mehr. Und dann passt plötzlich der Konsum nicht mehr zur Ressourcen-Seite des Wirtschaftsprofils.

Jörg Häntzschel analysiert heute in der Süddeutschen die Ära Bush-Sohn. Viel Gutes lässt er nicht an ihm, im Gegenteil, er macht ihn direkt verantwortlich für die gegenwärtige Ausprägung des amerikanischen Problems. Das dieses Problem so lange nicht virulent wurde liege an der Überlagerung mit Oberfläche: “Doch die dahindonnernde Wirtschaft der letzten Jahre und der sagenhafte Konsum, den sie den Amerikanern erlaubte, wirkten wie Botox in Amerikas faltigem Gesicht.” (Link)

Die USA brauchen eine grundlegende Neuorientierung. Sie müssen ihren Way-of-Life infragestellen. Ressourcenknappheit, zunehmende politische Widerstände, schwächere Bündnisse, die degradierte Gesundheit der Bevölkerung, die offenkundige Bildungsmisere, nie war die Aufgabe größer als heute. Häntzschel wähnt die USA als den tatsächlichen Verlierer der Globalisierung. Alle Amerikaner müssen nun mitziehen, müssen ihr Selbstverständnis auf den Prüfstand stellen, müssen den Blick über den Rand wagen, müssen aufhören zu träumen sich den veränderten Realitäten stellen und neue Konzepte entwickeln.

Daß Amerikaner noch Großes bewegen können, wollen jetzt zumindest Microsoft und Yahoo durch die angestrebte Übernahme beweisen. Andererseits kann man diesen Schritt auch als Konsolidierung in einem bedrohten Markt werten. Noch dazu, wenn die Dienstleistungen und Produkte dieser Märkte auf die Förderung des Konsums ausgerichtet sind, ausgerechnet jenes Elementes, dessen Zustand man zur Zeit in der Börsensprache am deutlichsten mit “underperfoming” umschreiben kann.