Der Oswald Metzger ist ein bunter Hund. Sozusagen. Erst rot, dann grün, jetzt schwarz. Doch für ihn scheinen Farben nur ein Anstrich zu sein, für ihn entsprechen sie offensichtlich nicht der Überzeugung, sie repräsentieren sie allenfalls, zumindest temporär.
Es sind nicht die Bequemen mit den angepassten Attitüden, die zu Treibern des Establishments werden. Wenn das ständige Revoltieren und Auflehnen mehr geworden ist als jugendlicher Umtrieb, wenn sich im eigenen Erkenntnisgewinn die wirklich wichtigen Fragen herauskristallisieren, wenn die Kraft und die Macht der Worte für die oberste Ebene reichen, dann spüren Solche den Drang zum Wirken.
Das derzeitige politische Deutschland ist eine Parteiendemokratie, ihr Kennzeichen die Ochsentour. Wer sich zu Höherem berufen fühlt, wer dieses Land mitgestalten will, der muß entweder früh auf die Rolltreppe getreten sein und dabei in jeder Etage verletzungsfrei auf die nächste gewechselt haben. Oder er bedient sich der so typischen Facetten von Quereinsteigern und spekuliert auf den Zufall.
Metzger ist kein Typ für die Ochsentour. Metzger löckt den Stachel wider die Biederkeit, wider die Tradition und wider die Rituale. Dagegen setzt er eigene Unbequemlichkeit, nervende Fragen und sperrige Positionen. Und wird bei alledem ungeduldig. Das Establishment nennt so eine Haltung schnell “Profilierungssucht”.
So einer wie er wird einerseits immer unter den jungen Wilden beginnen, mit ihnen gemeinsam Fahrt aufnehmen, Schlachten schlagen und Wunden lecken. Andererseits wird er irgendwann den Sprung mitten unter die Arrivierten wagen und dann versuchen, mit seiner ganzen bewegten Schwungmasse die Verharrung aufzubrechen und mitreißende Dynamik zu entfalten.
Metzger ist ein Glücksfall für die CDU. Die hat es nur noch nicht begriffen.
Metzger ist konservativ, er scheint es immer gewesen zu sein. Jedenfalls dürfte seine Sozialisierung im Ländle grundlegende Werte geprägt haben, die eher in die Richtung gehen, das Bewährte zu bewahren. Grün ist eben auch konservativ, auch wenn die Ideologen das ganze Grün eingemeinden wollen. Und Wirtschaft muß man auch aus Sicht des Etwas-Unternehmens denken, nicht nur als Umverteilungsmasse.
Aber Metzger formuliert Thesen, die nicht alle verstehen. Er benennt Zusammenhänge, die hinter den Horizont der “gefühlten Wirtschaft” eines Normalbürgers reichen. Metzger macht Vorschläge, die es Wert sind, ja der CDU unbedingt Wert sein sollten, diskutiert zu werden. Solche Vorschläge brauchen ein Forum, ein Forum Maximum. Und das ist nunmal der Bundestag.
Klar, wer unser Parlament als Versorgungseinrichtung für langdienende Funktionäre betrachtet, der hat ein Problem mit eigenwilligen Persönlichkeiten. Wer aber die Kraft in solchen Menschen kennt, der darf auf solche Typen nicht verzichten, der muß sie vor den Karren spannen, damit es voran geht. Denn es geht um das Ganze. Es geht um das Wohl eines Landes, unseres Landes. Die Herausforderungen der Globalisierung lassen sich nicht eben einfach mit landwirtschaftlichen Analogien patent beantworten. Metzger versteht eine Menge von Markt und Mächten. Und sind seine Ideen denn nicht geeignet, die Menschen und ihre Gesellschaft voranzubringen?
Metzger ist charismatisch, er kann kämpfen und stehen bleiben. Ich wünsche ihm, daß die Menschen am Bodensee verstehen, was er für sie tun kann. Immerhin verstehen sie dort viel von Internationalität, und sie wissen, was Industrialisierung Wert sein kann.
Oswald, ich drücke Dir die Daumen.