Lars Hinrichs – auch meine Wahl als "Deutschlands Wichtigster Webgründer"

Als Leserjyrist war ich ja auch berufen und hab mich bei Position 1 nun überhaupt nicht schwer getan.

Spannend finde ich, daß es auch in Deutschland Menschen gibt, die von der Idee bis an die Börse in der Lage sind, das Geschick eines Unternehmens zu steuern.

Lars verkörpert für mich zunächst einmal eine Idealkombination aus Fähigkeiten und Kenntnissen, wie sie von Gründern gebraucht werden. Klar, neben der Idee braucht es solide BWL und auch eine erkleckliche Menge Glück, dazu auch Standvermögen.

Aber Lars bringt auch eine nach außen deutlich sichtbare Team-Orientierung mit, die sich immer wieder in Daniela personifizieren lässt. Dazu strahlt er die Gelassenheit einer menschlichen Reife aus, die eben nicht bereits in Arroganz übergeschwappt ist.

Alleine mit Charme und schnellem Reden ist es wirklich nicht getan. Es braucht mehr als einen brillianten braungebrannten Verkäufer im italienischen Jakett.

Besonders beeindruckend fand ich, daß Lars samt Frau und Tochter beim ersten Startup-Weekend aufgetaucht ist, für jeden ansprechbar und absolut auf dem Boden. Für mich Außenstehenden ist er ein CEO ohne Allüren. Er redet Klartext aber ohne Show, er handelt risikobewußt aber nicht hochriskant, er denkt visionär aber ohne abgedrehte Visionen.

Mir war von vorneherein klar, daß es nur einen geben wird, der bei einer Ausschreibung zu Deutschlands wichtigstem Webgründer vorne steht. Glückwunsch Lars, Du hast das verdient.

Fliegende Arbeitnehmervertreter

Der gemeine Arbeitnehmer muß ja jeden privaten Kilometer mit dem Geschäftsfahrzeug versteuern. Und sein eigenes Schnitzel auf der Rechnung des Geschäftsessens darf er auch nicht absetzen. Das Finanzamt ist da eine ziemliche Spaßbremse.

Um so mehr erstaunt es mich, daß ein bekannter deutscher Arbeitnehmervertreter, nennen wir ihn “den Herrn von V”, einen geschenkten Flug per 1. Klasse in die Südsee im Wert von – grob und günstigst mal nur bis LA geschätzt – 10.000 Euro (seine Frau fliegt ja auch) einfach so akzeptiert und tatsächlich wahrnimmt. Bei einem – wie in der Presse zu entnehmen war – Monatsgehalt von 12.000 Euro erreicht er eine Progressionsstufe, die einen solchen Flug mit ca. 5000 Euro Steuern belasten müsste. Gut, damit wäre der 1.-Klasse-Flug vergleichsweise ein Schnäppchen. Oder verrechne ich mich da?

Es kann natürlich auch völlig anders gewesen sein. Als Aufsichtsrat ist der Herr von V selbstverständlich auch im Urlaub im – äh – Dienst. Und selbstverständlich muß er auch in der Südsee seine Kontrollfunktionen wahrnehmen können. Dann wäre es ja nur zu verständlich, daß ihn sein zu kontrollierendes Unternehmen angemessen unterstützt. Immerhin bekommen ja auch andere Mitarbeiter der Firma L einen kostenlosen Jahresurlaubsflug.

Nun sind Gewerkschafter keine Heiligen, das wissen wir zum Beispiel von einem ehemaligen Metaller-Vorsitzenden oder einem ehemaligen Arbeitsdirektor eines großen deutschen Autoherstellers. Und selbstverständlich darf ein Mitglied der Grünen auch einmal CO2-bedenklich Langstrecke in die Südsee fliegen, so finde ich.

Aber was mich bei dieser Angelegenheit einerseits erschüttert, das ist die wirklich mangelnde Instinktsicherheit einer öffentlichen Person, die einer Vereinigung vorsteht, der es um die Durchsetzung gerechter Verhältnisse in der Wirtschaft geht. Gewerkschaften griffen Frankreichs Staatspräsidenten an, als er sich von einem Industriellenfreund seinen Urlaubstrip nach Ägypten bezahlen lies. Und in Deutschland trat seinerzeit ein cleverer Ministerpräsident vom Amt zurück, weil sein Reisegebaren undurchsichtig war. Wie kommt der Herr von V dazu, für sich andere Maßstäbe anzusetzen und seiner Gewerkschaft somit einen solchen Bärendienst zu erweisen?

Querblog bringt es auf den Punkt:

Bsirske hat offenbar null Gefühl für die Wirkung, die sein Handeln in der Öffentlichkeit hat. Kein Wunder, dass Gewerkschaften und Parteien immer mehr Mitglieder verlieren. Wohin soll das führen?

Geradezu skandalös finde ich es andererseits aber, daß Aufsichsratsvertretern teilweise prestigeträchtige und teure Vergünstigungen verschafft werden. Aufsichtsräte sollen die Aktiengesellschaften respektive die Arbeit deren Vorständler kontrollieren – so aber besteht von vorne herein die Gefahr der Korrumpierung. Im Schnitt (Kienbaumstudie) verdienen deutsche Aufsichtsräte 15.800 Euro im Jahr (2006). Träfe dies hier auch zu, hätte der Geldwerte Vorteil dieses einen Fluges die gesamte Aufwandsentschädigung für das laufende Jahr mehr als verdoppelt.

Für den Herrn von V wird es jetzt schwer, seine Unabhängigkeit im Urteil eines Kontrolleurs glaubhaft versichern zu können und wo er doch von den Vergünstigungen privat Gebrauch gemacht hat. Dem aktuellen Interessenkonflikt, einerseits zur Werterhaltung des Unternehmens beizutragen, andererseits einen für das Betriebsergebnis desaströsen Streik zu befürworten ist er ja geradezu galant aus dem Weg gegangen. Der Herr von V stand nicht vor der V als es ihr ernst geworden ist.

Auf die nun folgenden Volten und Kapriolen bin ich schon sehr gespannt. Sie dürften rhetorisch höchst kunstvoll ausfallen, wenn sie wirkungsvoll sein sollen.

Rücktritt? Manche Wahlkämpfer sagen ja. Zettel sagt nein:

Wer so ungehemmt rechts lebt wie Wagenknecht, Trittin, Lafontaine und Bsirske, der muß freilich damit rechnen, vom Sozialneid getroffen zu werden.

und weiter:

Das ist nun einmal das Risiko, wenn man über die Klassenkampf- Schiene Karriere macht. Ein Grund zum Rücktritt ist es nicht

Ich sage ja zum Rücktritt, aber zu einem solchen aus dem Aufsichtsrat. Die Fähigkeit zur Wahrnehmung einer entsprechenden Verantwortung scheint mir nicht mehr gegeben zu sein.

Der Stern zitiert einen Verdi-Sprecher: der Anschlußflug würde aus eigener Tasche bezahlt, der Gratisflug selbstverständlich versteuert und die Kostenlos-Fliegerei ist natürlich üblich. Im übrigen stammten Rücktrittsforderungen von den “üblichen Verdächtigen”.

Ich frage mich allen Ernstes, was die Gewerkschaftsmitglieder bei der noch ausstehenden Abstimmung über den Tarifabschluß bei der Lufthansa davon abbringen sollte, das Ergebnis abzulehnen?

Dank an astrologieklassisch für die Hintergrundlinks.

So, lieber Oswald Metzger, jetzt aber wirklich.

Der Oswald Metzger ist ein bunter Hund. Sozusagen. Erst rot, dann grün, jetzt schwarz. Doch für ihn scheinen Farben nur ein Anstrich zu sein, für ihn entsprechen sie offensichtlich nicht der Überzeugung, sie repräsentieren sie allenfalls, zumindest temporär.

Es sind nicht die Bequemen mit den angepassten Attitüden, die zu Treibern des Establishments werden. Wenn das ständige Revoltieren und Auflehnen mehr geworden ist als jugendlicher Umtrieb, wenn sich im eigenen Erkenntnisgewinn die wirklich wichtigen Fragen herauskristallisieren, wenn die Kraft und die Macht der Worte für die oberste Ebene reichen, dann spüren Solche den Drang zum Wirken.

Das derzeitige politische Deutschland ist eine Parteiendemokratie, ihr Kennzeichen die Ochsentour. Wer sich zu Höherem berufen fühlt, wer dieses Land mitgestalten will, der muß entweder früh auf die Rolltreppe getreten sein und dabei in jeder Etage verletzungsfrei auf die nächste gewechselt haben. Oder er bedient sich der so typischen Facetten von Quereinsteigern und spekuliert auf den Zufall.

Metzger ist kein Typ für die Ochsentour. Metzger löckt den Stachel wider die Biederkeit, wider die Tradition und wider die Rituale. Dagegen setzt er eigene Unbequemlichkeit, nervende Fragen und sperrige Positionen. Und wird bei alledem ungeduldig. Das Establishment nennt so eine Haltung schnell “Profilierungssucht”.

So einer wie er wird einerseits immer unter den jungen Wilden beginnen, mit ihnen gemeinsam Fahrt aufnehmen, Schlachten schlagen und Wunden lecken. Andererseits wird er irgendwann den Sprung mitten unter die Arrivierten wagen und dann versuchen, mit seiner ganzen bewegten Schwungmasse die Verharrung aufzubrechen und mitreißende Dynamik zu entfalten.

Metzger ist ein Glücksfall für die CDU. Die hat es nur noch nicht begriffen.

Metzger ist konservativ, er scheint es immer gewesen zu sein. Jedenfalls dürfte seine Sozialisierung im Ländle grundlegende Werte geprägt haben, die eher in die Richtung gehen, das Bewährte zu bewahren. Grün ist eben auch konservativ, auch wenn die Ideologen das ganze Grün eingemeinden wollen. Und Wirtschaft muß man auch aus Sicht des Etwas-Unternehmens denken, nicht nur als Umverteilungsmasse.

Aber Metzger formuliert Thesen, die nicht alle verstehen. Er benennt Zusammenhänge, die hinter den Horizont der “gefühlten Wirtschaft” eines Normalbürgers reichen. Metzger macht Vorschläge, die es Wert sind, ja der CDU unbedingt Wert sein sollten, diskutiert zu werden. Solche Vorschläge brauchen ein Forum, ein Forum Maximum. Und das ist nunmal der Bundestag.

Klar, wer unser Parlament als Versorgungseinrichtung für langdienende Funktionäre betrachtet, der hat ein Problem mit eigenwilligen Persönlichkeiten. Wer aber die Kraft in solchen Menschen kennt, der darf auf solche Typen nicht verzichten, der muß sie vor den Karren spannen, damit es voran geht. Denn es geht um das Ganze. Es geht um das Wohl eines Landes, unseres Landes. Die Herausforderungen der Globalisierung lassen sich nicht eben einfach mit landwirtschaftlichen Analogien patent beantworten. Metzger versteht eine Menge von Markt und Mächten. Und sind seine Ideen denn nicht geeignet, die Menschen und ihre Gesellschaft voranzubringen?

Metzger ist charismatisch, er kann kämpfen und stehen bleiben. Ich wünsche ihm, daß die Menschen am Bodensee verstehen, was er für sie tun kann. Immerhin verstehen sie dort viel von Internationalität, und sie wissen, was Industrialisierung Wert sein kann.

Oswald, ich drücke Dir die Daumen.

Ein unbekannter Karajan – Ferenc Fricsay

Ziemlich angetan war ich heute wieder mal von einem Stück in einem meiner beiden Lieblingssender, nämlich EinsFestival. Gezeigt wurde ein Streifen aus 1963, der damals bereits eine Wiederholung war.

In eindringlicher Weise probt das Dirigenten-Genie (schon in jungen Jahren ein Furtwängler-Vertreter) Ferenc Fricsay [ich glaube, man spricht "Ferensch Frickschai"] die Smetana’sche Moldau mit dem Radiosymphonieorchester des “Südfunks”. Nie je zuvor habe ich besser verstanden, wie man aus einer Partitur eine Interpretation macht. Beeindruckend, wie er aus uninspiriertem Notenbrei viele prononcierte Hörerlebnisse zaubert.

Unendlich schade, daß dieser begnadete österreichische Ungar schon mit 49 an Krebs sterben musste.

Unendlich schön, daß er – schwer krank – verstand, der Menschheit mit seiner Fernsehaufnahme ein wichtiges Dokument der Musikgeschichte hinterlassen zu können, ja zu sollen.

Fricsay steht auf meiner Musik-Merkliste.

Fricsay bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Ferenc_Fricsay

Happy Birthday, Madiba.

90 Jahre wird er heute.

Ein Anwalt, ein Boxer, ein Häftling, ein Präsident – eine charismatische Figur im System Menschheit. Ein Leben, so voll mit Freude und Leid und wieder Freude. In einer Reihe stehend mit Mahatma Ghandi und Martin Luther King. Ehre, wem Ehre gebührt.

Gesegnet seist Du.

Cem will an die Börse. Und zwar mit allen.

Na, das ist mal ein “Think Big“!

Cem Basman und Jason Fanklin-Stokes, an deren Startup-Weekend ich begeistert mitmachen konnte, kündigen hier und hier an, anlässlich der Cebit 2008 gemeinsam mit vielen anderen Startuppern ein weiteres Unternehmen zu gründen, ein ganz besonderes.

Cem schrieb ja schon an anderer Stelle, daß das StartupWeekend keine singuläre Veranstaltung war, sondern vielmehr ein permanentes Experiment ist. Und wenn es in diesem fortgesetzten Projekt um Selbstbestimmung und kreative Arbeit geht, dann ist der Prozeß selbst nichts anderes. Das Projekt, so Cem, wird zu einer Spielwiese von Business Rebels.

Klassischerweise steht ja auch im Netz zuerst die Geschäftsidee im Raum, wenn es um das Gründen geht. Schnell erarbeiten sich die Beteiligten einen Prototypen, bereits mit viel mehr Mühe dann einen Businessplan, und sie erkennen nur ausnehmend unwillig die Defizite. Scheitert die Finanzierung ist es aus.

Die “Startup-Rebels” machen es anders: Erst kommt die vom Leader inspirierte Menge in gleicher Richtung visionierender Menschen zusammen, angesichts der kurzen Vorlaufzeiten fast flashmobartig. Mit der verfügbaren Menge Menschen geht die wahrscheinlich ausreichende Streuung von Fähigkeiten und Kenntnissen der Teilnehmer einher. Bereits in dieser Phase sind schon Finanziers an Bord – was fehlt ist die Geschäftsidee. Genau dieses inspirierendste aller Elemente in der Business-Entwicklung aber setzen die Macher um Cem und Jason in die Mitte des Prozesses, machen es zum Kern der Bewegung, zum Event. Die nötige Dynamik im Vorfeld entsteht durch die Ungeheuerlichkeit des Anspruchs.

Bei diesem neuen Schritt der Rebels lautet das Ziel: “Listing at New York Stock Exchange”. Und Cem lädt gleich 3 Mitgründer ein, als Börsen-Glocken-Schüttler mit auf den Balkon zu kommen. Steht Ein Husarenritt an?

Cem ist ein Pragmatiker. Er lotet mit Lust die durch vernetzte vitual-life-Identitäten neu entstehenden organisatorischen Möglichkeiten menschlicher Interaktion aus, ganz handfest durch real-life-Veranstaltungen. Und auch durch das gemeinsame subtile Abtasten der Grenze zwischen Spiel und Ernst, zwischen wochenendlichem Entertainment dauerbindenden Engagement. Als erfahrener Business-Man, der sich neben dem Realismus des Abgeklärten auch den Elan, die Begeisterungsfähigkeit und den Esprit bewahrt hat, fungiert er als Inkubator und als geradezu klassischer Spiritus Rector. Ihm zur Seite steht mit Jason ein Analytiker, der das nötige Maß Reflexion mitbringt und versucht, die Füße auf dem Boden zu behalten.

Das CeBit-Event nun ist eine einmalige Gelegenheit. Hier läßt sich gebündelte Medienaufmerksamkeit erzielen, man kann Business-Kontakte und Sponsoring-Partner direkt mit ins Boot holen, es sind sowieso alle da. International aufgestellt hat der Event das Zeug dazu, auch international wahrgenommen zu werden. Und wenn die Bereitstellung effizienter Infrastruktur gelingt, dann kann auch eine umfassende Netzöffentlichkeit an den Sessions teilhaben.

Genau 4 Wochen Zeit bleiben nun und wenn die NYSE ernst gemeint ist, dann wird es verteufelt eng mit den Vorbereitungsarbeiten. Aber wie ich die beiden einschätze, geligt es Ihnen noch, einen oder auch mehrere passenden Joker an Land zu ziehen. Leute vom Schlage Richard Branson oder Paul Allen sollen sich ja von hochfliegenden Projekten anstecken lassen.
Ich freu mich drauf.