Brenrhad begreift: "Froworker"

Flickr-User Mishmosh hat einen Begriff für Menschen geprägt, die in einer besonderen Beziehung stehen:

I defined froworkers as people with whom I’m pretty sure the friendship would continue even if we stopped being coworkers.

Meist sind die “Kollegen” ja aus den Augen\aus dem Sinn, wenn man die Arbeitsumgebung wechselt. Klar, wenn man eine neue Location für die tägliche Arbeit aufsuchen muß, dann sind die alten guten “Arbeitsbeziehungen” bald nur noch schemenhafte Erinnerungen, auch ganz gerne dann noch, wenn man eigentlich eine gemeinsame Arbeitsbiographie hat.

Mit den sozialen Netzen hat die Fortdauer einer solchen Beziehungen zukünftig eine viel größere Chance. War man schon zu Zeiten der gemeinsamen Arbeit Mitgied bei Xing und dort kontaktemäßig “verbandelt”, dann wird man das mit großer Wahrscheinlichkeit auch bleiben. Xing-Funktionen wie “neues aus meinem Netzwerk” oder die Geburtstagsliste liefern automatisch jede Menge Anknüpfungspunkte, das Gespräch wieder aufzunehmen. Man verliert sich ganz einfach nicht aus den Augen.

Lieber Lars Hinrichs, gerade habe ich von Dir gehört, die Hälfte aller neuen Features werden als “Customer-Feature-Requests” implementiert. Zwar kann ich als User meine eigenen Kontakte selbst individuell qualifizieren, aber für eine soziologische Untersuchung der Beziehungen im Netz wäre es doch ganz nett, wenn man die User solche großen Kategorisierungen über Auswahlen vornehmen lassen könnte. Beobachtet man das eine Weile, lassen sich interessante Ergebnisse über das soziale Gefüge erwarten.

Wir brauchen Prozessinnovationen

Burkhard Schneider bemängelt heute in einem Stück über den Sedgeway Segway und seinen – angesichts der Ölkrise nicht wirklich überraschenden – Erfolg in den USA , daß wir in Deutschland viel zu sehr produktorientiert denken. Just der Verkehr könne nur revolutioniert werden, wenn wir Prozessinnovationen entwickelten und mehrere Lösungsangebote miteinander kombinierten: Morgens mit dem Segway zum Bahnhof rollen, ihn in der S-Bahn eindocken und dann am Ziel weiter zur Arbeit und da an die Steckdose.

Ich glaube, genau im Prozessdenken liegen einerseits die Krux und andererseits das Heil.

Die Krux besteht darin, daß es zum Prozeßdenken auch das Netzdenken braucht. Und in der Schule habe ich das nicht gelernt. Ich erinnere mich, welche Aufwände es zu bewältigen galt, bis man fachübergreifende Projekte initiieren konnte.

Nicht, daß ich glaube, daß den Innovatoren das abgehen würde. Aber wenn wir vom Verkehr reden, dann müssen wir von öffentlichen Auftraggebern und der Legislative reden, von der Politik und der Verwaltung. Und dann konstatiere ich – aus meinem engen Blickwinkel – daß es an dieser Stelle Defizite gibt. Undenkbar ist es, daß Zugabteile mit Dockings für die Roller eingerichtet würden. Undenkbar auch, daß – mangels Fahrstühle am Bahnsteig – das selbständige Fahren auf der Treppe erlaubt würde (dauernd tönt ja schon “Det Farrad schiebn hab ick jesaat! Könnse nich höan?”). Sarkastisch kann ich immerhin feststellen, daß es in Berlin gemeinsame Fahrausweise für S-Bahn (Deutsche Bahn) und U-Bahn (Berliner Verkehrsbetriebe) gibt. Aber schon bei den Fahrplänen hört das vernetzte Denken auf.

Sozusagen “heilsversprechend” ist aber wirklich das Potenzial in den Prozesslösungen, da stimme ich Burkhard gerne zu. Wir leben – abgedroschen, ich weiß – im Zeitalter der Globalisierung. Globale Motive, globales denken, globales Handeln, da werden wir mit vielfältigst integrierten Prozessen von außen konfrontiert. Unsere Exportwirtschaft hat sich eingestellt aber unsere Gesellschaft nicht. Sicher bin ich, daß jeder an mindestens allen Fingern zweier Hände Beispiele festmachen kann, wo die rechte nicht weiß, was die linke tut.

Ihr kennt solche Beispiele?